Warum ist Recruiting heute schwieriger als früher?
Recruiting hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Unternehmen in Österreich stehen heute vor neuen Herausforderungen in der Personalbeschaffung, was auf mehrere Faktoren zurückzuführen ist. Einer der Gründe ist der Mangel an qualifizierten Bewerber:innen in bestimmten Branchen und Regionen. Dem gegenüber steht natürlich der allseits präsente Fachkräftemangel: Noch nie gab es in Österreich so viele Jobs zu besetzen wie im Jahr 2023.
- Fachkräftemangel in vielen Branchen
- höhere Erwartungen von Bewerber:innen
- größere Transparenz am Arbeitsmarkt
- digitale Recruiting-Kanäle und Social Media
Qualifizierte Kandidat:innen können heute schnell und unkompliziert mehrere Jobangebote vergleichen. Deshalb ist ein professioneller Bewerbungsprozess entscheidend, um Talente für sich zu gewinnen. Um als potenzieller Arbeitgeber nicht hinter der Konkurrenz zurückzubleiben, sollte der Bewerbungsprozess daher möglichst fehlerfrei verlaufen.
Diese 10 Fehler sollten Sie im Recruiting-Prozess vermeiden
Die 10 häufigsten Recruiting-Fehler
1. Unklare oder unvollständige Stellenanzeigen
Ein häufiger Fehler im Recruiting-Prozess ist eine unklare Jobbeschreibung. Diese kann dazu führen, dass sich unpassende Personen bewerben, was Zeit und Ressourcen verschwendet – auf beiden Seiten! Eine Studie des Trendence Instituts aus dem Jahr 2021 zeigt außerdem, dass zahlreiche potenzielle Bewerber:innen bei unübersichtlichen und undeutlichen Jobbeschreibungen abspringen. Um dies zu vermeiden, sollten Sie sicherstellen, dass Ihr Stelleninserat klar und präzise ist und alle wichtigen Anforderungen und Aufgaben enthält.
Schulmeister Recruiting-Tipp:
Achten Sie darauf, dass Ihre Stellenanzeige klar strukturiert ist und folgende Punkte enthält:
- Aufgabenbereich
- Anforderungen
- Entwicklungsmöglichkeiten
- Benefits
- Gehaltsspanne
2. Zu starker Fokus auf formelle Qualifikationen
Setzt man seinen Fokus bei der Auswahl von Kandidat:innen ausschließlich auf formelle Qualifikationen wie Ausbildung und Erfahrung, nimmt man in Kauf, talentierte Bewerber:innen zu verpassen. Auch ohne traditionelle Qualifikationen könnte ein:e Kandidat:in eine wertvolle Ergänzung für Ihr Team sein. Ziehen Sie also auch weiche Faktoren wie die Persönlichkeit und die Teamfähigkeit in Betracht.
Neben Hard Skills sollten auch Soft Skills wie Teamfähigkeit, Lernbereitschaft oder Problemlösungskompetenz berücksichtigt werden.
3. Unangemessenes Auswahlverfahren
Ein weiteres häufiges Problem beim Recruiting von Mitarbeiter:innen ist das Praktizieren eines unangemessenen Auswahlverfahrens. Ein Beispiel hierfür wäre das Führen von langwierigen Interviews, bei denen Bewerber:innen viele Fragen beantworten müssen, die nichts mit ihrer tatsächlichen Arbeit zu tun haben. Dies kann für Bewerber:innen frustrierend sein und das Interesse an dem Job mindern. Stellen Sie also sicher, dass die Auswahlverfahren relevant und fair sind und sich auch wirklich auf die im Job geforderten Aufgaben und Anforderungen beziehen.
Ein guter Recruiting-Prozess sollte:
- strukturiert
- effizient
- transparent
sein und sich auf die tatsächlich relevanten Kompetenzen konzentrieren.
Schulmeister Recruiting-Tipp:
Informieren Sie sich hier über unseren Schulmeister Bewerbungsprozess: Unsere Recruiter:innen und Personalberater:innen planen mit Ihnen Ihre nächsten Karriereschritte und finden den Job, von dem Sie schon lange träumen.
4. Schlechte Vorbereitung auf Bewerbungsgespräche
Interviews sind nur dann sinnvoll, wenn sie gut vorbereitet sind. Ohne ausreichende Vorbereitung ist es schwierig, die besten Kandidat:innen zu identifizieren und die Bewerbungsgespräche werden wenig informativ für beide Seiten. Um dem entgegenzuwirken, sollten sich Arbeitgeber im Vorfeld über den:die Bewerber:in informieren und sich schon relevante Fragen bereitlegen. Eine gründliche Recherche vor dem Interview, wie z.B. die Durchsicht von Lebensläufen, Arbeitsproben, Referenzen und Online-Präsenz des:der Kandidaten:in, kann auch helfen, bessere Interviewfragen zu stellen und ein tieferes Verständnis für die Erfahrung und Fähigkeiten des Gegenübers zu erlangen.
Vor einem Interview sollten Recruiter:innen:
- den Lebenslauf genau analysieren
- relevante Fragen vorbereiten
- sich über den Karriereweg der Kandidat:innen informieren
5. Schlechte Kommunikation mit Bewerber:innen
Einer der größten Frustrationsfaktoren im Bewerbungsprozess ist mangelnde Kommunikation. Schlechte Kommunikation mit den Bewerber:innen kann dazu führen, dass diese sich nicht wertgeschätzt fühlen und schnell das Interesse verlieren. Viele Kandidat:innen berichten uns in Gesprächen mit unseren Personalberater:innen, dass sie nach ihrer Bewerbung lange keine Rückmeldung erhalten oder nie ein Feedback bekommen.
Ein professioneller Bewerbungsprozess beinhaltet daher:
- Eingangsbestätigung der Bewerbung
- transparente Informationen zum weiteren Ablauf
- zeitnahe Rückmeldungen
Es ist also wichtig, rechtzeitig und transparent zu kommunizieren und jeden Einzelnen über den Status seiner Bewerbung auf dem Laufenden zu halten. Dazu zählt eine Bestätigung über den Erhalt der Bewerbungsunterlagen ebenso wie ein kurzes Feedback darüber, ob der:die Kandidat:in weiter in Betracht gezogen wird oder nicht.
Eine wertschätzende Kommunikation stärkt auch die Employer Brand eines Unternehmens.
6. Unklare Erwartungen an die Position
Missverständnisse entstehen häufig, wenn Erwartungen im Recruiting-Prozess nicht klar kommuniziert werden. Beispielsweise kann es vorkommen, dass der:die Bewerber:in annimmt, dass die Stelle mehr Verantwortung beinhaltet als es tatsächlich der Fall ist, oder dass vom:von der neuen Mitarbeiter:in erwartet wird, bestimmte Aufgaben zu übernehmen, die nicht in der ursprünglichen Jobbeschreibung erwähnt wurden.
Typische Ursachen sind:
- unklare Aufgabenbeschreibung
- fehlende Zieldefinition
- unklare Verantwortlichkeiten
Sie sollten also sicherstellen, dass Sie klare Erwartungen an die Position und dessen Ziele haben, und dass diese Erwartungen dem:der Bewerber:in während des Recruiting-Prozesses klar und deutlich mitgeteilt werden. Eine Möglichkeit, dies zu tun, ist durch die Erstellung einer detaillierten Jobbeschreibung, siehe Punkt 1.
7. Fehlende Diversität im Unternehmen
Vielfalt und unterschiedliche Perspektiven sind wichtige Erfolgsfaktoren für Unternehmen. Wenn Recruiting-Prozesse unbewusst bestimmte Gruppen bevorzugen, gehen Unternehmen möglicherweise wertvolle Talente verloren. Fehlende Diversität bedeutet, dass Unternehmen oft (unbewusst) eine einheitliche Ethnie, ein Geschlecht, eine Altersgruppe oder kulturelle Herkunft bevorzugen und andere Perspektiven ignorieren. Dies kann dazu führen, dass man die besten Talente verpasst, und dass die Firmenkultur insgesamt von mangelnder Vielfalt und Inklusion behindert wird. Um dies zu vermeiden, sollten Sie sicherstellen, dass Sie proaktiv nach vielfältigen Talenten suchen und sich bemühen, Barrieren für unterrepräsentierte Gruppen abzubauen.
Einige Schritte, die Arbeitgeber ergreifen können, um Vielfalt und Inklusion im Recruiting-Prozess zu fördern, sind:
- die Verwendung von inklusiveren Sprach- und Bildern in Jobanzeigen
- die Schulung von Recruiter:innen und Personalverantwortlichen, um unbewusste Vorurteile zu erkennen und zu überwinden
- gezielt vielfältige Talente ansprechen, und Schaffung von Karriere-Entwicklungs- und Förderprogrammen für unterrepräsentierte Gruppen
8. Unattraktive oder nicht marktgerechte Gehälter
Das Gehalt ist für viele Bewerber:innen weiterhin ein entscheidender Faktor bei der Jobwahl, wie auch unsere regelmässige Jahreswechselumfrage widerspiegelt. Wenn das angebotene Gehalt deutlich unter dem Markt liegt, kann dies dazu führen, dass Kandidat:innen ein Angebot ablehnen oder das Unternehmen nach kurzer Zeit wieder verlassen.
Unternehmen sollten daher regelmäßig analysieren & monitoren:
- branchenübliche Gehälter
- regionale Gehaltsunterschiede
- Erwartungen der Kandidat:innen
Das neue EU Gehaltstransparenzgesetz bringt hier ab 2026 sicherlich auch Änderungen in Österreichs Unternehmen.
9. Fehlendes oder schlechtes Onboarding
Ein gut durchdachter Onboarding-Prozess ist unerlässlich, um sicherzustellen, dass neue Mitarbeiter:innen schnell und erfolgreich integriert werden. Andernfalls schleichen sich Probleme wie mangelnde Produktivität, höhere Fehlerraten oder sogar frühzeitiges Ausscheiden ein. Mehr über die Wichtigkeit eines perfekten Onboardings finden Sie in diesem Artikel von karriere.at.
10. Unattraktive Benefits
Neben dem Gehalt spielen auch Zusatzleistungen eine immer wichtigere Rolle im Recruiting. Die Wichtigkeit von Benefits in Stellenanzeigen ist nicht zu unterschätzten, da sie eine wichtige Rolle beim Anlocken von qualifizierten Mitarbeiter:innen spielen. Ein attraktives Benefit-Paket kann dazu beitragen, das Interesse von Bewerber:innen zu wecken und sie zu motivieren, sich die Stelle näher anzusehen.
Einige der häufigsten angebotenen Benefits sind:
- Flexible Arbeitszeiten
- Ausgewogene Work-Life-Balance
- Möglichkeiten zur Weiterbildung und Karriereentwicklung
- Bonuszahlungen
- Mitarbeiterevents
- mehr Benefits finden Sie hier
Es ist wichtig zu beachten, dass die Benefits auch die Erwartungen der Bewerber:innen erfüllen. Werden in der Anzeige zahlreiche Benefits versprochen, diese aber dann nicht eingehalten, wird dies zu Missstimmungen bei den neuen Mitarbeiter:innen führen – also Wort halten!
Fazit: Erfolgreiches Recruiting beginnt mit einem professionellen Prozess
Mitarbeiter:innen sind die wichtigste Ressource eines Unternehmens. Umso wichtiger ist es, Recruiting-Fehler zu vermeiden und einen strukturierten Bewerbungsprozess zu etablieren.
Unternehmen, die:
- transparent kommunizieren
- effiziente Auswahlverfahren nutzen
- attraktive Arbeitsbedingungen bieten
haben deutlich bessere Chancen, qualifizierte Talente zu gewinnen.
Häufige Fragen zu Recruiting-Fehlern
Welche Recruiting-Fehler passieren Unternehmen am häufigsten?
Zu den häufigsten Fehlern im Recruiting gehören unklare Stellenanzeigen, lange Bewerbungsprozesse, mangelnde Kommunikation mit Bewerber:innen und unrealistische Anforderungen an Kandidat:innen. Diese Fehler führen oft dazu, dass qualifizierte Fachkräfte abspringen oder gar nicht erst Interesse an der Stelle zeigen.
Wie können Unternehmen Recruiting-Fehler vermeiden?
Unternehmen können Recruiting-Fehler vermeiden, indem sie:
- klare und transparente Stellenanzeigen formulieren
- realistische Anforderungen definieren
- Bewerbungsprozesse effizient gestalten
- regelmäßig Feedback an Bewerber:innen geben
- ein strukturiertes Onboarding anbieten
Ein professioneller Recruiting-Prozess verbessert außerdem die Arbeitgebermarke.
Welche Rolle spielt Kommunikation im Recruiting-Prozess?
Eine offene und transparente Kommunikation ist entscheidend für eine positive Candidate Experience. Wenn Bewerber:innen lange auf Rückmeldungen warten oder kein Feedback erhalten, wirkt sich das negativ auf das Arbeitgeberimage aus und kann dazu führen, dass Talente abspringen.
Welche Rolle spielen Benefits im Recruiting?
Fringe Benefits wie flexible Arbeitszeiten, Weiterbildungsmöglichkeiten, Parkplätze oder Homeoffice können entscheidend sein, um qualifizierte Kandidat:innen zu gewinnen. Besonders in umkämpften Arbeitsmärkten sind attraktive Zusatzleistungen ein wichtiger Wettbewerbsvorteil für Unternehmen.
Wie beeinflusst der Fachkräftemangel das Recruiting?
Der Fachkräftemangel führt dazu, dass Unternehmen stärker um qualifizierte Kandidat:innen konkurrieren. Bewerber:innen haben heute mehr Auswahlmöglichkeiten und vergleichen Arbeitgeber intensiver. Daher müssen Unternehmen ihre Recruiting-Prozesse optimieren, um Talente schneller und überzeugender anzusprechen. Wir bei Schulmeister unterstützen Unternehmen seit 25 Jahren bei der Personalvermittlung.
Wie lange sollte ein Recruiting-Prozess dauern?
Ein Recruiting-Prozess sollte möglichst effizient sein. In vielen Branchen gelten 2–4 Wochen vom Erstkontakt bis zur Entscheidung als optimal, abhängig von der Position. Lange Entscheidungsprozesse erhöhen das Risiko, dass Kandidat:innen andere Angebote annehmen.